Das erste Mal "Michael arbeitet mit"

in der "lustigen Riesen-WG"

Gespannt war ich ja schon, was bei meinem ersten Einsatz von „Michael arbeitet mit“ auf mich zukommen wird. Ich habe diese Initiative ins Leben gerufen, weil es mir wichtig ist, viele Arbeitsbereiche auch in der „Praxis“ kennenzulernen. Gestartet habe ich in einem besonderen Haus: der „Wohnoase Freistadt“. Dabei handelt es sich um einen Lebensort für Seniorinnen und Senioren im alten Krankenhaus Freistadt, betreut von der Volkshilfe.

Montags ist „Bio-Markt“ – der Marktladen St. Oswald liefert wertvolle Lebensmittel aus der Region und im Aufenthaltsraum sind schon viele BewohnerInnen versammelt, als ich eintreffe. Betreuer Alois Rauecker hat mir die Rahmenbedingungen erklärt. In den Mietwohnungen wohnen die SeniorInnen so selbständig wie möglich, bekommen aber auch die notwendige Hilfe. Dafür zahlen die MieterInnen eine Betreuungspauschale. Als AnsprechpartnerInnen stehen Alois Rauecker und seine Kollegin von Montag bis Freitag unter Tags zur Verfügung. Und sie sind AnsprechpartnerInnen für eigentlich fast alles, erzählt Alois. Sie sind zudem GesprächspartnerInnen und sorgen immer wieder für Spaß und Unterhaltung. Die Pflege wird von den Betreuerinnen organisiert und abgewickelt.

Dass der Schmäh ordentlich rennt, merke ich schnell. Ob ich jetzt alle „umstimmen möchte zur Wahl“ wird gleich mal hergeworfen. Mir gefällt es, wenn das gleich gerade raus kommt . Spannend ist auch, woher die Menschen kommen, warum sie hierher gezogen sind. Viele sagen „daheim wäre ich ja vollkommen alleine gewesen und hier sind wir unter Menschen“ oder „da tut sich was und alles ist wunderschön hier“.

Und man spürt wirklich, dass es eine besondere Atmosphäre ist. Die BewohnerInnen helfen einander, beim Einkaufen, beim Medikamente besorgen, bei kleinen Problemchen. Sie laden sich gegenseitig zu einem Kaffee in die Wohnung ein. Sie reden miteinander, gerade wenn jemand eine/n Ehepartner/in verloren. Sie freuen sich, als ich vorschlage, dass wir ja etwas spielen könnten. Bei „Mensch ärgere dich nicht“ testen wir unsere Geduld – ich konnte ja nicht damit rechnen, dass ich gleich mal das erste Spiel gewinnen würde! Wir sitzen noch einige Zeit im Schatten vor der Wohnoase und ich bleib eine Stunde länger, weil es wirklich gemütlich und lustig ist.

Ich gehe mit einer klaren Überzeugung von diesem Tag heim: wir müssen lebensnahe Betreuungsformen für unsere älteren Menschen schaffen. Mit einem wichtigen Leitsatz: soviel Selbständigkeit wie möglich, soviel Hilfe wie nötig! Und wir brauchen viel mehr Geld für die Pflege in den Regionen – die Menschen sollen dort alt werden können, wo sie leben möchten.

  • Wir brauchen die beste Pflege für unsere pflegebedürftigen SeniorInnen, deswegen müssen die vereinbarten Altersheime (Neubau Freistadt, Tragwein, Wartberg) rasch gebaut werden!
  • Wir brauchen einen Ausbau der Tageszentren für SeniorInnen, um pflegende Angehörige noch besser entlasten zu können und um schöne Begegungsräume für SeniorInnen zu schaffen!
  • Neue Wohnformen wie die Wohnoase müssen ausgebaut werden – Gemeinschaft ist die beste Prävention!