Das zweite Mal „Michael arbeitet mit“

Im Sozialmarkt „arcade“ Freistadt

An diesem heißen End-Sommertag erwartet mich ein besonderer Nachmittag. Ich hab mich beim Sozialmarkt „arcade“ in Freistadt angemeldet. Dort arbeiten über 20 Ehrenamtliche mit, als Fahrer um die gespendeten Waren abzuholen, als VerkäuferInnen oder beim Aufbereiten der gespendeten Waren. Diesen Montag bin ich mit einer von ihnen!

Zweimal in der Woche werden gespendete Waren aus den umliegenden Geschäften abgeholt. Dutzende Bananenschachteln voll mit Lebensmittel kommen jede Woche zusammen, auch an diesem Tag. Gemeinsam mit Fahrer Charly fahre ich ins Landeskrankenhaus Freistadt und zu einem Supermarkt. Dort angekommen laden wir Tiefkühlgerichte und zahlreiche Lebensmittel ein.

Zurück im Sozialmarkt mache ich mich mit 4 ehrenamtlichen Frauen daran, die Waren „aufzubereiten“ und zu sortieren. Erst da wird mir bewusst, wieviel an gerade abgelaufenen Lebensmittel in den Sozialmarkt kommt – Fleisch, Käse, Milchprodukte, Brot, Mehlspeisen, Zucker, Obst und vieles mehr. Und das ist im Sozialmarkt Freistadt nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was wohl jeden Tag in Österreich weggeschmissen wird. Während andere nicht wissen, was sie am nächsten Tag essen sollen, werden in ganz Österreich Tonnen von Lebensmittel vernichtet.

Die Mitarbeiterinnen erzählen mir, dass wirklich alles verwerten von ihnen verwertet wird. Aus Obst, das sich nicht mehr für den Verkauf eignet, wird Saft oder Marmelade gemacht. Auch das wird im Sozialmarkt verkauft. Alle MitarbeiterInnen engagieren sich gerne, wirken aber auch nachdenklich darüber, wohin all der Überfluss noch führen soll: „Wir sind ganz anders aufgewachsen, mussten uns viel ersparen um genug zu essen zu bekommen.“

Und sie haben auch konkrete Ideen für weniger Lebensmittel-Verschwendung:

  • Ein Gesetz, das Lebensmittel-Geschäften verbietet, Lebensmittel einfach zu vernichten
  • Neue Produktschienen, die nicht „XXL-Packungen“ billig verkaufen, sondern „Single-Mengen“ pushen
  • Und vor allem das Bewusstsein für das schärfen, was wir konsumieren wollen.

Diese „Wegwerf-Mentalität“ ist wirklich ein schlimmer Auswuchs unseres Wirtschaftssystems. Ein System, das auf Gewinnmaximierung unter allen Umständen aufbaut - Umweltschäden ignoriert, Armut produziert und Menschen ausbeutet.

Der Kern einer gerechten Gesellschaft sind für mich diese sozial engagierten Menschen, die ehrenamtlich Zeit aufbringen und den Bedürftigen helfen. Ich möchte mit meiner Arbeit diese Initiativen nicht nur vor den Vorhang holen, sondern sie laufend unterstützen – auch mit meiner regelmäßigen Mitarbeit!